Age of Sigmar – wie mache ich es falsch, aber so richtig?

Im zweiten Teil meiner kleinen Artikelreihe kommen wir gleich zum Knackpunkt der ganzen Geschichte: dem völlig missglücktem Wechsel.

Die Idee, die hinter den (noch immer) kostenlos für alle Modelle verfügbaren Spielwerten steht, ist so nobel wir nur irgendetwas. Es gibt wohl kein besseres Argument, das einem bei der Einführung neuer Spielsysteme helfen kann, als wenn man seine komplette Sammlung einfach nehmen und losspielen kann.

Nur leider gab es dabei ein klitzekleines Problem … die Regeln waren zum Teil so bescheuert, dass es sich hierbei nur um einen Scherz handeln konnte. (Ich war damals der festen Überzeugung und bin es noch heute.) Das Problem daran ist allerdings, dass Games Workshop damals die Strategie vertreten hat, einfach gar nicht mit seinen Kunden zu kommunizieren, und wenn ich einen fiesen Scherz über Dinge mache, die meinem Gegenüber am Herzen liegen, sollte ich besser sicher gehen, dass mein Gegenüber diesen Scherz auch versteht!

Das Gegenteil von „Gut“ ist ja bekanntlich „Gut gemeint“, eigentlich hätte es klar sein müssen, dass dieser Scherz nach hinten los geht. Viele (Ex-)Spieler fühlten sich zurecht verarscht, dass auf diese Weise das Interesse daran, das neue System überhaupt mal auszuprobieren nicht unbedingt steigt, hätte man voraus sehen müssen.

Das hat man aber eben nicht.

Das alleine wäre sicherlich noch nicht mal allzu schlimm gewesen, im Zweifel hätte man sich vermutlich eh‘ darauf geeinigt, diese „Unsinnigen“ Sonderregeln zu vernachlässigen und gut. Aber es gab leider ein zweites Problem, eines, welches dem ganzen System vermutlich wirklich die Tour vermasselt hat.

Diejenigen, die Mutig oder Neugierig genug waren, tatsächlich einen Schritt in das neue Reich zu setzen und sich selbst davon zu überzeugen standen vor einem neuen, viel größeren Problem: durch das fehlende Punktesystem verloren viele die Orientierung und es entwickelte sich sehr schnell ein allgemeines Durcheinander von Hausregeln und anderen Dingen, mit denen die Spieler versuchten, irgendwie halbwegs ausgeglichene Spiele hinzubekommen.

Auch hier hätte man vorher wissen müssen, dass das völlige Fehlen von Punkten zu Problemen führen muss, wenn die Szenarien so aufgebaut sind, dass beide Seiten die gleiche Ausgangslage haben. Ein Spiel braucht Orientierung! Wenn die Szenarien so aufgebaut sind, dass beide Seiten die gleiche Ausgangslage und die gleichen Ziele haben, sollten die beiden Seiten auch über ein vergleichbares Kräfteverhältnis verfügen. Gerade „wir historischen Spieler“ wissen, dass ein Ungleichgewicht an Truppen nur praktikabel ist, wenn das Szenario beiden Spielern unterschiedliche Ziele vorgibt, denn nur so ist es für beide Seiten Sinnvoll und Fair.

Aber auch das wurde ignoriert.

Beachtet man allein diese beiden Sachen, kann man doch eigentlich nicht anders als zu bemerken, dass hier irgendwas nicht stimmt. Doch entweder konnte man das in Nottingham nicht sehen, oder man wollte es eben nicht sehen. Das Ergebnis jedenfalls war, dass das neue Spielsystem, welches Games Workshop aus der „Warhammer Fantasy – Umsatzkrise“ holen sollte, eine ziemliche Bauchlandung hingelegt hat.

… ich verstehe jeden, der sich damals enttäuscht abgekehrt hat.

Thomas

Thomas

Auftragsmaler und Tausendsassa bei mietpinsel.de
Im Hobby seit ich denken kann, nach einer längeren Pause Anfang der 2000er Jahre hat mich der Tabletop-Irrsinn wieder eingeholt.
Thomas

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